Nach dem Milchkaffee beginnt der Bauch zu rumoren. Nach einem Apfel entstehen Blähungen. Beim Essen von Nüssen kribbelt plötzlich der Mund. Viele Menschen stellen sich dann die Frage:
Habe ich eine Allergie oder vertrage ich dieses Lebensmittel einfach nicht?
Im Alltag werden die Begriffe häufig gleich verwendet. Medizinisch besteht jedoch ein wichtiger Unterschied. Während bei einer Allergie das Immunsystem beteiligt ist, liegen einer Unverträglichkeit meist andere Ursachen zugrunde.
Für die richtige Diagnose und Ernährung ist es entscheidend, diese Reaktionen auseinanderzuhalten.
Was passiert bei einer Lebensmittelallergie?
Bei einer Lebensmittelallergie reagiert das Immunsystem auf bestimmte, eigentlich harmlose Bestandteile eines Lebensmittels. Meist handelt es sich dabei um Eiweiße.
Der Körper stuft diese fälschlicherweise als gefährlich ein und setzt eine Abwehrreaktion in Gang. Häufig treten die Beschwerden bereits wenige Minuten bis etwa zwei Stunden nach dem Verzehr auf. Bei manchen Allergieformen können sie sich jedoch auch später zeigen.
Mögliche Symptome sind:
- Kribbeln oder Jucken im Mund
- Schwellungen an Lippen, Zunge oder Rachen
- Hautrötungen, Juckreiz oder Quaddeln
- Übelkeit, Bauchschmerzen, Erbrechen oder Durchfall
- Husten, Atemnot oder ein Engegefühl im Hals
- Schwindel und Kreislaufbeschwerden
Bei einer Allergie können bereits sehr kleine Mengen eines Lebensmittels Beschwerden auslösen. Wie stark die Reaktion ausfällt, lässt sich nicht immer sicher vorhersagen.
Wann wird eine Allergie gefährlich?
Eine schwere allergische Reaktion wird als Anaphylaxie bezeichnet. Sie kann mehrere Organsysteme gleichzeitig betreffen und lebensbedrohlich werden.
Warnzeichen sind beispielsweise:
- plötzlich auftretende Atemnot
- deutliche Schwellungen im Mund- oder Rachenraum
- starke Kreislaufbeschwerden
- Schwindel, Schwäche oder Bewusstlosigkeit
Bei Anzeichen einer schweren allergischen Reaktion muss sofort die Notrufnummer 112 gewählt werden.
Menschen mit einer bekannten schweren Lebensmittelallergie sollten ihre ärztlich verordneten Notfallmedikamente immer griffbereit haben.
Was ist eine Lebensmittelunverträglichkeit?
Bei einer klassischen Lebensmittelunverträglichkeit, auch Intoleranz genannt, ist das Immunsystem nicht beteiligt. Der Körper kann einen bestimmten Bestandteil eines Lebensmittels nicht oder nur eingeschränkt verdauen beziehungsweise aufnehmen.
Oft fehlt ein benötigtes Enzym oder ein Transportsystem im Darm arbeitet nur begrenzt. Die nicht vollständig aufgenommenen Bestandteile gelangen weiter in den Dickdarm und werden dort von Darmbakterien verarbeitet. Dabei können Gase und weitere Stoffwechselprodukte entstehen.
Typische Beschwerden sind:
- Blähungen
- Bauchschmerzen oder Krämpfe
- ein aufgeblähter Bauch
- Durchfall
- Übelkeit
- Völlegefühl
Im Gegensatz zu einer Allergie sind viele häufige Unverträglichkeiten mengenabhängig. Das bedeutet: Eine kleine Portion wird vielleicht gut vertragen, während eine größere Menge Beschwerden auslöst.
Das einfachste Beispiel: Milchallergie oder Laktoseintoleranz?
An Milch lässt sich der Unterschied besonders gut erklären.
Kuhmilchallergie
Bei einer Kuhmilchallergie reagiert das Immunsystem auf bestimmte Eiweiße der Milch. Abhängig von der individuellen Allergie können bereits kleine Mengen eine Reaktion auslösen.
Laktosefreie Kuhmilch ist dann keine Lösung, denn sie enthält weiterhin die allergieauslösenden Milcheiweiße.
Laktoseintoleranz
Bei einer Laktoseintoleranz wird der Milchzucker – die Laktose – nicht ausreichend aufgespalten. Ursache ist eine verminderte Aktivität des Enzyms Laktase.
Viele Betroffene vertragen trotzdem kleinere Mengen Milchzucker. Auch länger gereifte Käsesorten oder bestimmte laktosearme Produkte sind häufig möglich.
Das zeigt: Obwohl das gleiche Lebensmittel Beschwerden verursacht, sind Ursache und notwendige Ernährung vollkommen unterschiedlich.
Häufige Formen von Unverträglichkeiten
Laktoseintoleranz
Milchzucker kann aufgrund einer verminderten Laktaseaktivität nicht vollständig verdaut werden. Typische Beschwerden sind Blähungen, Bauchschmerzen und Durchfall.
Fruktosemalabsorption
Fruchtzucker wird im Dünndarm nur begrenzt aufgenommen. Beschwerden entstehen häufig nach größeren Mengen Fruktose, beispielsweise aus Säften, Smoothies, Trockenfrüchten, bestimmten Obstsorten oder stark mit Fruktose gesüßten Produkten.
Die Fruktosemalabsorption darf nicht mit der seltenen erblichen Fruktoseintoleranz verwechselt werden. Dabei handelt es sich um eine andere und ernst zu nehmende Stoffwechselerkrankung.
Histaminbedingte Beschwerden
Einige Menschen berichten nach histaminreichen Lebensmitteln wie gereiftem Käse, Rotwein, bestimmten Wurstwaren oder fermentierten Produkten über Beschwerden.
Die Symptome können sehr unterschiedlich sein und beispielsweise den Darm, die Haut oder den Kreislauf betreffen. Da es bisher keinen einzelnen zuverlässigen Test gibt und viele Beschwerden auch andere Ursachen haben können, ist eine sorgfältige ärztliche und ernährungstherapeutische Abklärung besonders wichtig.
Und was ist mit Gluten und Weizen?
Auch hier werden verschiedene Erkrankungen häufig miteinander verwechselt.
Weizenallergie
Bei einer Weizenallergie reagiert das Immunsystem auf bestimmte Eiweiße des Weizens. Die Diagnose gehört in allergologische Hände.
Zöliakie
Die Zöliakie ist weder eine klassische Allergie noch eine gewöhnliche Unverträglichkeit. Es handelt sich um eine Autoimmunerkrankung. Gluten löst dabei eine Entzündungsreaktion im Dünndarm aus.
Betroffene müssen nach gesicherter Diagnose dauerhaft und konsequent glutenfrei essen.
Nicht-Zöliakie- Weizensensitivität
Bei manchen Menschen verursacht Weizen Beschwerden, obwohl weder eine Zöliakie noch eine Weizenallergie nachgewiesen werden kann. Diese Diagnose sollte erst gestellt werden, wenn andere mögliche Ursachen sorgfältig ausgeschlossen wurden.
Wichtig: Verzichten Sie nicht bereits vor der Untersuchung vollständig auf Gluten. Dadurch können Untersuchungsergebnisse verfälscht und eine zuverlässige Zöliakie-Diagnose erschwert werden.
Warum sind die Beschwerden so schwer einzuordnen?
Bauchschmerzen, Durchfall, Blähungen oder Hautreaktionen können bei unterschiedlichen Erkrankungen auftreten. Auch ein Reizdarmsyndrom, Infektionen, Medikamente oder andere Magen-Darm-Erkrankungen können ähnliche Beschwerden verursachen.
Nicht immer ist das Lebensmittel verantwortlich, das zuletzt gegessen wurde. Manchmal spielen auch die verzehrte Menge, die Zusammensetzung der gesamten Mahlzeit oder zusätzliche Faktoren eine Rolle.
Zu solchen Verstärkerfaktoren können beispielsweise gehören:
- körperliche Anstrengung
- Alkohol
- bestimmte Medikamente
- akute Infekte
- Stress
- Schlafmangel
Das macht verständlich, warum ein Lebensmittel an einem Tag vertragen wird und an einem anderen Tag scheinbar Beschwerden verursacht.
Vorsicht vor Selbsttests und unnötigen Verboten
Wer längere Zeit unter Beschwerden leidet, möchte verständlicherweise schnell eine Erklärung finden. Im Internet werden zahlreiche Tests angeboten, die angeblich viele Allergien und Unverträglichkeiten gleichzeitig erkennen können.
Besonders sogenannte IgG- oder IgG4-Tests sind zur Diagnose von Lebensmittelallergien und -unverträglichkeiten nicht geeignet. Positive Ergebnisse zeigen häufig lediglich, dass ein Lebensmittel regelmäßig gegessen wurde.
Solche Tests können dazu führen, dass zahlreiche Lebensmittel unnötig vom Speiseplan gestrichen werden. Dadurch wird das Essen immer komplizierter und einseitiger – ohne dass es den Betroffenen wirklich besser geht.
Wie wird die richtige Diagnose gestellt?
Am Anfang steht ein ausführliches Gespräch über die Beschwerden:
- Welche Lebensmittel wurden gegessen?
- Wie groß war die Menge?
- Wann haben die Beschwerden begonnen?
- Welche Symptome sind aufgetreten?
- Wiederholt sich die Reaktion zuverlässig?
- Gab es zusätzliche Einflussfaktoren?
Bei Verdacht auf eine Allergie können ärztliche Hauttests und Blutuntersuchungen auf spezifische IgE-Antikörper wichtige Hinweise geben. Ein positives Testergebnis allein beweist jedoch noch keine klinisch relevante Allergie. Es muss immer gemeinsam mit den tatsächlich auftretenden Beschwerden beurteilt werden.
Falls erforderlich, kann eine kontrollierte Provokation unter medizinischer Aufsicht durchgeführt werden. Lebensmittel, auf die bereits eine schwere Reaktion aufgetreten ist, sollten niemals eigenständig zu Hause getestet werden.
Bei Verdacht auf eine Laktose- oder Fruktoseunverträglichkeit kann unter anderem ein H₂-Atemtest eingesetzt werden. Auch hier müssen Testergebnis und Beschwerden gemeinsam bewertet werden.
Ein Ernährungs- und Beschwerdeprotokoll kann helfen
Ein Protokoll liefert wertvolle Hinweise und erleichtert die spätere Beratung oder ärztliche Untersuchung.
Notieren Sie für einige Tage:
- was Sie gegessen und getrunken haben
- die ungefähre Menge
- die Uhrzeit
- auftretende Beschwerden
- wann die Beschwerden begonnen haben
- Medikamente, Sport, Stress oder andere Besonderheiten
Es geht dabei nicht darum, jedes Lebensmittel ängstlich zu kontrollieren. Das Protokoll soll helfen, wiederkehrende Zusammenhänge zu erkennen.
So viel weglassen wie nötig – aber so wenig wie möglich
Nach einer Diagnose entsteht häufig die Angst, nun auf sehr viele Lebensmittel verzichten zu müssen. Doch besonders bei Unverträglichkeiten ist ein vollständiger Verzicht oft gar nicht notwendig.
Gemeinsam kann herausgefunden werden:
- welche Mengen verträglich sind
- wie Lebensmittel sinnvoll kombiniert werden können
- welche Alternativen wirklich benötigt werden
- wie eine ausreichende Nährstoffversorgung erhalten bleibt
- wie Essen außer Haus wieder entspannter möglich wird
Das Ziel ist nicht, den Speiseplan immer kleiner werden zu lassen. Das Ziel ist eine Ernährung, die Beschwerden lindert und gleichzeitig abwechslungsreich, ausgewogen und genussvoll bleibt.
Wieder Sicherheit beim Essen gewinnen
Wenn nach dem Essen immer wieder Beschwerden auftreten, geht häufig auch das Vertrauen in den eigenen Körper verloren. Jede Mahlzeit wird genau beobachtet und manche Menschen verzichten aus Angst auf immer mehr Lebensmittel.
Damit müssen Sie nicht allein bleiben.
Bei einem Verdacht auf eine Lebensmittelallergie ist zunächst eine ärztliche beziehungsweise allergologische Abklärung wichtig. Bei Unverträglichkeiten sowie bei der praktischen Umsetzung einer gesicherten Diagnose unterstütze ich Sie dabei, mögliche Auslöser systematisch einzuordnen und eine Ernährung zu entwickeln, die zu Ihrem Körper und Ihrem Alltag passt.
In meiner Ernährungsberatung betrachten wir nicht nur einzelne Lebensmittel, sondern Ihre gesamte Ernährung, Ihre Beschwerden und Ihre persönliche Lebenssituation. So kann Schritt für Schritt wieder mehr Sicherheit, Vielfalt und Genuss entstehen.
Ich begleite Sie persönlich sowie online. Vereinbaren Sie gerne einen Termin für eine individuelle Ernährungsberatung.
